Neuerscheinungen

Thomas von Aquin. Oder wie aus einem Intellektuellen ein Mystiker (gemacht) wird (Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Beiheft 38), (S. Hirzel Verlag: Stuttgart 2022).

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1957 hat der französische Benediktiner Jean Leclerq (1911–1993) in seiner klei­nen, aber feinen Studie mit dem spre­chenden Titel L’amour des lettres et le désir de Dieu auf das schwierige Verhält­nis aufmerksam gemacht, das ‚Wissen­schaft‘ und ‚Gottverlangen‘ im abend­ländischen Mönchtum bald vereint, bald auseinandertreibt. Mit dieser He­rausforderung hatten die süditalieni­schen Dominikaner im Jahr 1317 zu kämpfen, als sie sich entschlossen, die Heiligsprechung ihres berühmten Landsmannes, Lehrers und Ordensbru­ders Thomas von Aquin (gest. 1274) in die Wege zu leiten. Dieser Mann näm­lich hatte zeitlebens kaum etwas anderes getan als gelesen und geschrieben, zum Teil an mehreren Büchern zugleich, wie seine Bewunderer gerne bemerkten. Heute würden wir ihn als einen wasch­echten Intellektuellen, als einen reinen Verstandesmenschen begreifen. Aus diesem in vielerlei Hinsicht ungewöhn­lichen Gelehrten, dessen Ideen bis heute nachwirken, wollten seine süditalie­nischen Ordensbrüder zu Beginn des 14. Jahrhunderts einen Heiligen machen. So etwas hatte es in dieser Extremform noch nicht gegeben; das machte das Projekt für alle Beteiligten zu einer uner­hörten Herausforderung!