5 Studienbiografien

Studentinnen und Studenten berichten von Ihrem Geschichtsstudium

Ein Studium kann auf viele Arten gelingen. Nicht immer geht alles nach Plan, nicht immer passt der Plan zu dir. Vielleicht brauchst du eine Pause oder Inspiration beim Auslandssemester – vielleicht packt dich die Wissenschaft so sehr, dass du in kürzester Zeit deine Credits beisammen hast. Es gibt mehr Wege zu deinem Abschluss, als du ahnst, und jeder davon hat Hürden und Tücken. Aber eben auch Aussichtspunkte und ungeahnte Abzweigungen. Ach, und wenn du mit Geschichte nichts anfangen kannst, dann muss das noch nicht heißen, dass auch nur ein Tag oder ein Schein verschenkte Zeit gewesen ist. Auch zu Fachwechseln informieren dich Fachschaft und Studienberatung gerne!

Um dir Mut zu machen, frühzeitig nach deinem Weg zu suchen und dir zu versichern, dass du dein Studium auf deine Art meistern kannst, stellen hier 5 Studierende, die schon eine Weile an der Uni sind und ihrem Abschluss entgegen gehen, ihren Weg vor – mit seinen Hochs und Tiefs und dem ein oder anderen Schluss, den sie gezogen haben.

Viel Spaß dabei, deine eigene Geschichte zu schreiben. Spuren der Meister, Fischen lernen und so weiter. Du machst das Schon.

Deine Fachschaft Geschichte.


Livia Gertis

Die blanke Zahl der Hochschulsemester Sieht auf den ersten Blick ziemlich hoch aus, sollte man doch offiziell mit sechs Semestern BA und mit vier für den Master insgesamt deutlich unter meiner Marke liegen. Warum das so ist, hat viele Gründe. Rückwirkend ändern würde ich nur wenig. Ehrlich gesagt würde mir sogar noch mehr Zeit nehmen wollen.

Dass ich nebenher arbeite, um mir das Studium zu finanzieren, schlägt sich auch auf den Studenplan nieder. In unteren Semester habe ich oft Dinge aus Zeitgründen, nicht aus Interessensgründen belegt. Im Bachelor habe ich es sehr streng mit mir gehalten, mir wenig Pausen gegönnt, was sich am Ende auch gesundheitlich bemerkbar machte. So war die Maxime für den Master, die Sache entspannter anzugehen. Warum ich nach dem BA hiergeblieben bin, lag an der Qualität der Uni, meinem Hiwijob und der Sorge, mit einem neuen Wechsel wieder in den alten Stress zu verfallen. Die Lust auf "da draußen" habe ich über Praktika und ein Auslandssemester gestillt.

Während des BA habe ich ein Praktikum am Staatsarchiv in Wien, während des Master eines am Deutschen Historischen Institut in Rom absolviert. Ebenfalls im Master bin ich für ein Semester nach Paris zum Studieren. Damit war natürlich auch ein organisatorischer sowie ein nicht unerheblicher finanzieller Aufwand verbunden, aber ich würde es jeder Zeit wieder tun, bereue es sogar, im Bachelor nicht bereits ein Auslandssemester eingelegt zu haben. Für die Finanzierung kann ich nur jedem empfehlen, sich nach Stipendien umzusehen. Meiner Erfahrung nach werden sie wenig in Anspruch genommen, obwohl sie doch genau dafür da sind, euch zu helfen, eure Projekte zu verwirklichen.

14. Hochschulsemester: Geschichte/ Ital. Studien BA Geschichte MA

Latinum an der Uni: ja Typisches Semester: 14 SWS, 1-2 Hausarbeiten


Tilman Meyer

Ich habe relativ stringent neun Semester lang die Scheine für meine drei Fächer gesammelt (inkl. Praxissemester), ohne Urlaubs- oder Auslandssemester. Das war (eigentlich) kein Problem. Es bleibt auf jeden Fall Zeit für (kleinere) Nebenjobs, SLl-Kurse, Fachschaftsarbeit oder Hochschulgruppen etc. Wer sein Studium schneller durchziehen will, kann das bestimmt hinbekommen.

Meine "Tipps" sind wahrscheinlich etwas lahm, aber dennoch: 1. Hausarbeiten am besten gleich in den Ferien schreiben. Es gibt nichts Nervigeres, als das im laufenden Semester nachholen zu müssen. Mir ist das leider mehr als einmal passiert und man ärgert sich immer wieder darüber. 2. Ein, zwei Seminare mehr besuchen als notwendig. Das spart bei Zwischenprüfungen und Examen den Stress bei der Themenfindung und Vorbereitung. 3. Auf jeden Fall im 10. Semester (bzw. 12. Semester, wenn man Latein nachholen muss) mit dem Examen beginnen, damit nicht alles auf einmal kommt. 4. Auslandssemester ernsthaft erwägen. Hab das leider erst getan, als ich mich schon für das Examen anmelden musste. 5. Ich habe im 8. Semester begonnen, bei "Univenture" das Kontaktstudium Erlebnispädagogik zu machen. Würde ich auf jeden Fall empfehlen. Wenn man etwas früher damit anfängt, kann man bei denen auch etwas mitarbeiten.

10. Hochschulsemester: Geschichte / Deutsch / Philosophie (3 Hauptfächer) Staatsexamen

Latinum an der Uni: Nein. Typisches Semester: 22 SWS, 2 Hausarbeiten



Jacob Rietberg

Mein Studienverlauf war ein stetes Wechselspiel von hier - und dort sein. Sowohl Bachelor (5. Semester) als auch Master (3. Semester) habe ich nach der Mitte unterbrochen, um ins Ausland (nach Budapest/Hongkong) zu gehen. Das ist meiner Erfahrung nach und seltsamerweise entgegen der üblichen Historiker-Praxis (nicht nachmachen!) eine sehr empfehlenswerte (und i.d.R. gut finanzierbare) Unternehmung nach dem Grundstudium und an der Schwelle zur Ernsthaftigkeit - die Abschlussarbeiten - bietet das Ausland zunächst die nötige Distanz, dann neue Motivation und thematische Anregung aus ganz neuer Perspektive, um sich (nach zugegeben etwas mehr Zeit zur gedanklichen Wiedereingewöhnung) voll und ganz der Uni zuwenden zu können.

Abseits dessen hat mir vor allem die Praxiserfahrung sehr geholfen, nicht nur den Verwandten, sondern auch mir selbst aufrichtig erzählen zu können, dass mit Geschichte (auch abseits der Geschichte) wirklich einiges möglich ist. Ich habe dafür oftmals die Semesterferien für Praktika genutzt und mich so von der manchmal plagenden Frage, was denn (außer Lehramt und Wissenschaft) danach sein könnte, weitgehend befreit. Da diese Erfahrung für den Genuss der Studienzeit recht entscheidend sein kann, würde ich in dieser Hinsicht vor allem vor dem vermeintlichen "Zeitverlust" eines längeren (und damit wirklich qualifizierenden) Praktikums nicht zurückschrecken. Ein 6monatiges "Praxissemester" zwischen Bachelor und Master hat mir jedenfalls eine Menge Zuversicht und die Zeit zur gründlichen Reflexion darüber, wie es weiter gehen soll, gegeben. Auf den Bachelor folgt ja nicht völlig zwangsläufig der Master in Geschichte.

10. Hochschulsemester
Geschichte / Politik BA
Kulturelle Grundlagen Europas MA
Latinum an der Uni: Ja
Typisches Semester: 18-20 SWS, 2 Hausarbeiten


Niklas Ehrentreich

Bei mir war alles eine Frage der Balance: ich habe mein Studium mit zwei Auslandsaufenthalten in drei Blöcke à 3 bzw. 4 Semester geteilt. Das erste Mal weg war ich nach zwei Jahren, zum Schulpraktikum in Norwegen - eine tolle Möglichkeit, von der viele nicht wissen und auf die ich über einen Freund gestoßen bin. Allerdings ist das Parktikum an sich nicht so effizient wie eines in Deutschland: Schule ist einfach überall anders, dazu fehlt das begleitende pädagogische Seminar vollständig.

Im letzten Herbst bin ich dann für 7 Monate in die USA. Um beides zu finanzieren, habe ich neben der Uni immer viel gearbeitet, was gut möglich ist, wenn man die Kurse dafür ernst nimmt - lieber 14 Wochenstunden mit 6 Scheinen abschließen als 22, die einem über den Kopf wachsen oder die man schleifen lässt. Die Auslandssemester und das zweimonatige Sozialpraktikum, das ich noch eingeschoben habe, würde ich jederzeit zur Nachahmung empfehlen, auch wenn einen jede Pause auf jeden Fall erst mal Routine kostet und damit das nächste Semester ein wenig zäher wird. Vor dem Examen und der Zualssungsarbeit sollte man also genug Zeit haben, wieder einen normalen Rhythmus zu finden.

Dass ich jetzt ein Jahr länger an der Uni brauche stört mich nicht sehr im Praktikum habe ich gemerkt, dass ich noch Zeit und Reife brauche, um für die Schule bereit zu sein.

10. Hochschulsemester Geschichte / Deutsch Staatsexamen
Latinum an der Uni: ja
Typisches Semester: 18 SWS, 1 Hausarbeit


Katharina Brenner

Zu Geschichte im Nebenfach kam ich im Bachelor über Umwege und erst recht spät. Im fünften Semester habe ich auf Geschichte im Nebenfach gewechselt, was kein Problem war. Die erste Veranstaltung besuchte ich dann in Prag während meines Erasmus-Semesters. Insgesamt habe ich drei Semester für Geschichte im Nebenfach gebraucht, es ginge aber auch ohne Weiteres in zwei.

Ich kann empfehlen, bei der Wahl der Veranstaltungen offen für neue Themen und Dozenten zu bleiben. Für wen feststeht, dass er einen Master machen möchte, sollte sich frühzeitig über verschiedene Programme informieren, um bei der Bewerbung für den Wunschmaster die Voraussetzungen zu erfüllen. Meine sonstigen Tipps betreffen vor allem die Angebote der Uni außerhalb des eigentlichen Studiums. Das Engagement bei einer Hochschulgruppe kann bereichernd sein und es lohnt sich, Sprachkurse sowie die ein oder andere Schlüsselqualifikation zu besuchen, was neue Ideen und hilfreiche Kontakte bringen kann. Auch wenn Konstanz klein ist, gibt es Möglichkeiten, einen Nebenjob in einem potentiellen späteren Berufsfeld zu finden. Ins Ausland zu gehenkann ich auch nur jedem empfehlen. Erkundigt euch ausführlich über die Stipendienmöglichkeiten der Uni, das Auslandsreferat und das SSZ Sind dabei behilflich.

10. Hochschulsemester
Literatur-Kunst-Medien / Geschichte BA
Kulturelle Grundlagen Europas MA
Latinum an der Uni: Nein
Typisches Semester: 14 SWS, 2 Hausarbeiten