Schwerpunkte im Master Geschichtswissenschaft

Studierende des Masters "Geschichtswissenschaft" wählen zu Beginn ihres Studiums einen Schwerpunkt. Auf dieser Seite finden Sie erste Informationen und Ansprechpartner zu den angebotenen Schwerpunkten:

Schwerpunkt Geschichte des Mittelalters

Das Mittelalter scheint auf Anhieb die Epoche zu sein, die unserer Gegenwart am fremdesten ist. Es ist zugleich die Epoche, die am stärksten durch Vorurteile belastet ist. Das vermeintlich 'Fremde' steht uns jedoch in vielem Näher, als auf Anhieb zu vermuten, wenn Eheleute heute wieder häufiger Eheverträge aufsetzten oder wir unsere Konflikt wieder häufiger mittels Mediatoren lösen. Ziel des Epochenschwerpunkts 'Mittelalter' ist es, den Studierenden den Facettenreichtum einer Epoche näherzubringen, deren vorurteilsfreie Erschließung noch manche Überraschungen bereit hält.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Gabriela Signori gabriela.signori@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Frühe Neuzeit (16.-18. Jh.)

Der Schwerpunkt Frühe Neuzeit vermittelt historische Zugänge zu einer Epoche, in der sich die Grundlagen des modernen Europa und der modernen Weltgesellschaft entwickelten. Gemeinsam mit den Studierenden wird in forschungsnahen Lehrveranstaltungen nach Prozessen des fundamentalen Wandels und nach zukunftsrelevanten "sozialen Erfindungen" gefragt. Welche Bedeutung haben der Gebrauch von Schrift und die Verbreitung des Buchdruckes? Welche Folgen hatte die gewaltsame Eroberung und ökonomische Aneignung der Welt für Eroberte wie für Eroberer? Was bedeuteten die Reformation oder die Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft für das Denken über die Welt und den Menschen?

Den Lehrenden ist dabei ein theorieorientiertes, kulturwissenschaftliches Verständnis von Geschichte wichtig: zeitgenössische Wissensbestände, Menschenbilder und Deutungsmuster des Selbst wie des Sozialen werden auf ihre Wechselwirkungen mit sich wandelnden Strukturen, Institutionen und Praktiken bezogen; gleichzeitig wird nach den medialen und materiellen Bedingungen dieser Beziehungen gefragt. Auf diese Weise wollen wir in einer Vielfalt von Themenbereichen die Eigenlogik einer Epoche erfassen und beschreibbar machen, die bekannt und fremd zugleich erscheint.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Rainer Beck rainer.beck@uni-konstanz.de und Prof. Dr. Rudolf Schlögl rudolf.schloegl@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Neuste Geschichte (19.-21. Jahrhundert)

Wer unsere Gegenwart in einem grundlegenden Sinne verstehen möchte, der liegt mit diesem Schwerpunkt genau richtig. Die Konstanzer Neuzeithistoriker erforschen die Geschichte Europas in einer sich globalisierenden und globalisierten Welt. Auf der Suche nach umfassenden und komplexen Zusammenhängen verbinden sie den Blick auf politische Krisen mit sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Vielfältige Themenbereiche werden untersucht: Von der Geschichte der modernen Revolutionen, über Kriege und Bürgerkriege bis zur Entstehung und dem Zerfall von Imperien, Kolonien und Nationen. Wir bieten Seminare zur Geschichte von Demokratien und Diktaturen und zur Geschichte der Integrationen und Krisen Europas an. Transnationale Migrationen, mediale Vernetzungen, zivilgesellschaftliche Proteste, der Aufstieg von Wissen und Wissenschaften sind ebenso Gegenstand unserer aufeinander abgestimmten Lehrveranstaltungen wie die Geschichte von Kapitalismus, Konsum und Ungleichheitsformen. Perspektiven auf die Geschichte der Individualisierung, auf kollektive Identitäten und neue Subjektivierungsformen erweitern unser Spektrum ebenso wie Unterrichtseinheiten zu Erinnerungskulturen, zur gesellschaftlichen Beschleunigung, zur Geschichte von Körper und Sexualität(en), von Natur, Umwelt oder Tier-Mensch-Beziehungen. Durch unsere berufsbezogenen Angebote verbinden wir breite Bildung mit arbeitsmarktbezogener Ausbildung.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Sven Reichardt sven.reichardt@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Archäologie/Materielle Kultur

Konstant erschaffen und nutzen Menschen Dinge, kontinuierlich bewegen sie sich in gestalteten und mit Bedeutungen aufgeladenen architektonischen und sozialen Räumen. Da materielle Kultur den Menschen stets umgibt, bietet sie zahllose Zugänge zu historischen Strukturen und Situationen. Um diese Quellen für die Rekonstruktion von antiken, aber auch modernen Gesellschaften nutzbar zu machen, haben die verschiedenen archäologischen Disziplinen ein reiches methodisches und theoretisches Instrumentarium entwickelt. Gerade mit der Einsicht in die Bedeutung von Bildern im Zuge der Medialisierung ("iconic turn") sowie der steigenden Beachtung der Beziehungen zwischen Personen und Objekten in einer "Wissenschaft der Dinge" wächst die Rolle materieller Quellen in kulturwissenschaftlichen Diskussionen. In Konstanz ist Archäologie deshalb im BA und MA in die Geschichtsstudiengänge integriert. Der MA Geschichte bietet nun die Möglichkeit sich auf Archäologie/materielle Kultur als Schwerpunkt zu konzentrieren.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Stefan Hauser stefan.hauser@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Historische Vermittlungskompetenz: Ausstellen

Zusammen mit den Fächern Information Engineering an der Universität Konstanz sowie Architektur und Kommunikationsdesign an der HTWG Konstanz bietet die Geschichte über jeweils vier Semester hinweg gemeinsame Veranstaltungen zum Thema "Ausstellungen" an. Am Ende eines jeden Zyklus soll eine gemeinsam konzipierte eigene Ausstellung stehen. Diese fach- und hochschulübergreifenden Veranstaltungen sind bewusst nicht als eigener Studiengang konzipiert, sondern als Schwerpunkt innerhalb der jeweiligen Studiengänge. Den Studierenden der verschiedenen Disziplinen soll anhand der Aufbereitung von aktuellen Forschungsthemen für die Öffentlichkeit zusätzlich zu ihren normalen Qualifikationen die Gelegenheit zur interdisziplinären Arbeit und zum Erwerb von besonderer Vermittlungskompetenz gegeben werden. Die Entwicklung von Ausstellungen ist über ihren unmittelbaren Praxisbezug in besonderem Maße berufsqualifizierend.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Stefan Hauser stefan.hauser@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Globalgeschichte

Die meisten Menschen in der Welt von heute führen "globale" Existenzen. Wir konsumieren Produkte aus aller Welt, erhalten Nachrichten von allen Kontinenten, sind bei Olympiaden oder Weltmeisterschaften zu weltweiten Mediengemeinschaften vernetzt und leben mit dem Bewusstsein, dass eine Wirtschaftsflaute in China, ein Reaktorunfall in Japan oder ein Krieg in Afghanistan unsere eigene Situation unmittelbar berühren. Diese Gegenwartserfahrung sollte und kann den Blick für großräumige Kontakte, Verflechtungen und wechselseitige Wahrnehmungen in der Vergangenheit schärfen. Das ist der Grundansatz der Globalgeschichte, die Europa in Beziehung zu anderen Weltregionen setzt. In Konstanz wird sie für alle Epochen betrieben, mit einem Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Geschichte des Kolonialismus, der internationalen Beziehungen, der Weltwirtschaft und der kulturellen Globalisierung.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Jürgen Osterhammel juergen.osterhammel@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Osteuropa

Wer den Begriff "Osteuropa" mit Inhalt füllen möchte, sollte überlegen, wo Europas Mittelpunkt liegt. Denn Europas Mitte befindet sich viel weiter im Osten, als man üblicherweise vermutet, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen im Ort Purnuškės nördlich der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Wenn wir uns als Europäerinnen und Europäer fühlen und einen weiten Lebenshorizont anstreben, dann sollten wir uns fragen, was für ein systematischen Wissen wir von der "zweiten", der östliche Hälfte Europas besitzen. Aber auch schon östlich der Oder fängt ein bedenkliches Nichtwissen an. Osteuropäische Geschichte studieren heißt: die Vielfalt des europäischen Ostens kennenzulernen und Europa zusammendenken.

Der Schwerpunkt Osteuropa bezieht sich auf den gebräuchlichen weiten Osteuropabegriff mit den Großregionen Ostmitteleuropa, Osteuropa im engeren geographischen Sinn, Nord- und Südosteuropa. Der Schwerpunktbereich ist geographisch und systematisch angelegt. Es werden exemplarisch und vergleichend Besonderheiten des Großraumes vorgestellt und in Bezug zu westeuropäischen und globalen historischen Entwicklungen untersucht. Regionen, Menschen und ihre Identitäten, ihre Lebenswelten, Herrschafts- und Sozialordnungen, Geschichte von Ideen sowie von Kulturkontakten, von internationalen Beziehungen, Krisen, Kriegen und ihrer Bewältigung stehen im Fokus der Lehre, die gegenwarts- und theorieorientiert ist. Das erworbene historische Wissen soll dazu verhelfen, relevante Problemstellungen auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu analysieren.

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Bianka Pietrow-Ennker bianka.pietrow-ennker@uni-konstanz.de

Schwerpunkt Wirtschaftsgeschichte

Die Wirtschaftsgeschichte fragt, wie unsere Gegenwart durch ökonomische und soziale Entwicklungen in der Vergangenheit geprägt ist. In Ihrem Master-Studium mit dem Schwerpunkt "Wirtschaftsgeschichte" erhalten Sie Einblicke in langfristige sozioökonomische Prozesse, analysieren den Wandel des Verhältnisses von Wirtschaft und Gesellschaft und fragen danach, wie ökonomische Konjunkturen sowie Krisen entstehen. Dabei lernen Sie ein breites sozialwissenschaftliches und ökonomisches Theorieangebot kennen und wenden es gemeinsam mit den Dozentinnen und Dozenten auf Fallstudien an, um die Bedeutung von Strukturen, Institutionen und individuellem Handeln für ökonomischen Wandel zu diskutieren."

Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Laura Rischbieter laura.rischbieter@uni-konstanz.de