Fachbereich Geschichte und Soziologie
Fach Geschichte

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Dr. Henning Börm

Arbeitsschwerpunkte

Das Römische Reich in der Spätantike (4. bis 7. Jahrhundert)

Kontakte und Konflikte zwischen Rom und dem sasanidischen Iran

Antike Historiographie

Das Imperium Romanum im 3. Jahrhundert

Antimonarchische Diskurse im Altertum

Staseis in Hellenismus und römischer Republik

 

Aktuelle Forschung

Meine Dissertation hatte zum einen Prokop von Caesarea, den letzten großen antiken Geschichtsschreiber, zum Gegenstand, zum anderen die Kontakte zwischen dem spätantiken Imperium Romanum und seinem größten Rivalen, dem sasanidischen Perser- reich. Die Arbeit verbindet drei verschiedene Forschungsfelder: Zum einen ist dies die antike griechische Geschichtsschreibung, als deren letzter großer Vertreter Prokop gilt, zum anderen die römische Geschichte der Spätantike, die den Gegenstand seines Werkes bildet, und zum dritten die interkulturellen Kontakte zwischen dem Imperium Romanum und dem Neupersischen Reich der Sasaniden.

Einer meiner beiden aktuellen Schwerpunkte ist die vergleichende Monarchieforschung. In diesen Zusammenhang gehört die für 2013/14 vorgesehene Publikation des Sammelbandes „Antimonarchical Discourses in Antiquity“. Wichtiger ist allerdings das zweite Forschungsfeld, nämlich antike Bürgerkriege, wobei ich mich in der Vergangenheit sowohl mit dem römischen als auch mit dem griechischen Kontext befasst habe. 2013 erschien eine Monographie zur römischen Geschichte, in der ich die Desintegration des Hesperium Imperium im 5. Jahrhundert n. Chr. nicht auf äußere Angriffe oder innere Dekadenz zurückführe, sondern auf jahrzehntelange bella civilia, die die Spielräume der weströmischen Regierung stetig verringerten und letztlich zum Zusammenbruch der Zentralgewalt führten.

Die Habilitationsschrift wird hingegen ein Phänomen der griechischen Geschichte unter- suchen: Staseis in Poleis der nachklassischen Zeit. Die Furcht vor Stasis war allgegenwärtig und eine treibende Kraft bei der Entwicklung der Polis in Archaik und Klassik, und die Ursachen dieser Bürgerkriege werden seit langem intensiv diskutiert. Bislang wurde dabei jedoch fast vollständig übersehen, dass es auch nach Alexander dem Großen in den Poleis, die sich zunächst im Spannungsfeld der neuen hellenistischen Monarchien, später unter der Dominanz Roms wiederfanden, vielfach zu Staseis kam. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht nur eine quantitative Erweiterung des Forschungsgegenstandes um einige Jahr- hunderte; sie muss vielmehr der Dreh- und Angelpunkt seiner Deutung sein. Denn erst vor dem Hintergrund der Stasis im Hellenismus lässt sich die Frage substantiell beantworten, was die spezifischen Voraussetzungen waren, die das antike Griechenland zu einer Bürger- kriegskultur werden ließen. Im Mittelpunkt meiner Untersuchung wird daher die Frage stehen, ob angesichts gewandelter sozialer, politischer und ökonomischer Rahmen- bedingungen in der nachklassischen Zeit auch Veränderungen in der Entstehung, Austragung und Rezeption interner Konflikte zu konstatieren sind oder ob wir es im Gegenteil mit „überzeitlich“ konstanten Mustern inneren Zwistes zu tun haben.