PD Dr. Henning Börm

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Sprechstunde in der Vorlesungszeit: Mittwoch, 17 bis 18 Uhr


Zur Person

Meine Dissertation hatte zum einen Prokop von Caesarea, den letzten großen antiken Geschichtsschreiber, zum Gegenstand, zum anderen die Kontakte zwischen dem spätantiken Imperium Romanum und seinem größten Rivalen, dem sasanidischen Perserreich. Die Arbeit verbindet drei verschiedene Forschungsfelder: Zum einen ist dies die antike griechische Geschichtsschreibung, als deren letzter namhafter Vertreter Prokop gilt, zum anderen die römische Geschichte der Spätantike, die den Gegenstand seines Werkes bildet, und zum dritten die interkulturellen Kontakte zwischen dem Imperium Romanum und dem Neupersischen Reich der Sasaniden. Zu allen drei Feldern habe ich seither weitere Arbeiten vorgelegt.

Einer meiner aktuellen Forschungsschwerpunkte ist die vergleichende Monarchieforschung. In diesen Zusammenhang gehört insbesondere der Sammelband „Antimonarchic Discourse in Antiquity“. Wichtiger noch ist derzeit das zweite Forschungsfeld, nämlich antike Bürgerkriege, wobei ich mich in der Vergangenheit sowohl mit dem römischen als auch mit dem griechischen Kontext befasst habe. 2016 erschien bereits ein von mir eingeleiteter und mitherausgegebener Band („Civil War in Ancient Greece and Rome“) zu diesem Thema. 2013 publizierte ich zudem eine Monographie zur römischen Geschichte, in der ich die Desintegration des Hesperium Imperium im 5. Jahrhundert n. Chr. nicht auf äußere Angriffe oder „Völkerwanderungen“ zurückführe, sondern auf jahrzehntelange bella civilia, die die Spielräume der weströmischen Regierung stetig verringerten und letztlich zum Zusammenbruch der Zentralgewalt führten.

Meine 2017 abgeschlossene Habilitationsschrift gehört ebenfalls in dieses Themenfeld, behandelt aber ein Phänomen der griechischen Geschichte: Staseis und Bürgerkriege in den Poleis der nachklassischen Zeit. Die Furcht vor einer Stasis war in Hellas allgegenwärtig und eine treibende Kraft bei der Entwicklung der Polis in Archaik und Klassik; die Ursachen dieser Bürgerkriege werden seit langem intensiv diskutiert. Doch bislang wurde dabei nur wenig berücksichtigt, dass es auch nach Alexander dem Großen in den Städten, die sich zunächst im Spannungsfeld der neuen hellenistischen Monarchien, später unter der Dominanz Roms wiederfanden, vielfach zu Staseis kam, die sowohl durch literarische als auch durch epigraphische Zeugnisse überliefert sind. Aus diesem Befund ergibt sich jedoch nicht nur eine quantitative Erweiterung des Forschungsgegenstandes um einige Jahrhunderte; er muss vielmehr der Dreh- und Angelpunkt seiner Deutung sein. Denn erst vor dem Hintergrund der Stasis im Hellenismus lässt sich die Frage substantiell beantworten, was die spezifischen Voraussetzungen waren, die das antike Griechenland zumindest äußerlich zu einer „Bürgerkriegskultur“ werden ließen. Im Mittelpunkt meiner Untersuchung steht daher die Frage, ob wir es mit überzeitlich konstanten Mustern inneren Zwistes zu tun haben, oder ob in den nachklassischen Städten Veränderungen in der Entstehung, Austragung und insbesondere Rezeption interner Konflikte zu konstatieren sind. Denn diese lassen sich nicht nur als Epiphänomen und Katalysator, sondern auch als bislang unterschätzter Inhibitor von urbanen Transformationsprozessen in den Poleis begreifen. Statt also eine bloße Randerscheinung oder ein Atavismus zu sein, war Stasis ganz im Gegenteil ein basso continuo der hellenistischen Geschichte, ein zentraler Faktor, ohne dessen Analyse sich die Entwicklung der griechischen Welt zwischen Alexander und Augustus sowie die Mechanismen der römischen Expansion im Osten des Mittelmeerraums nur schwer verstehen lassen.

Arbeitsschwerpunkte

Stasis und Bürgerkrieg in griechischen Poleis

Kontakte und Konflikte zwischen Rom und Iran

Griechische Historiographie

Das Römische Reich in der Spätantike

Antike Alleinherrschaften

Publikationen

Lehrveranstaltungen

Aktuelle Lehrveranstaltungen (LSF)

Lebenslauf

1995 - 2002 Studium der Fächer Geschichte und Deutsch (Lehramt Gymnasium) an der Universität Kiel

1998 - 2002 Studentische Hilfskraft am Institut für Klassische Altertumskunde der Universität Kiel

2003 - 2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Alte Geschichte der Universität Münster (Lehrstuhl Prof. Dr. Johannes Hahn)

2004 - 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klassische Altertumskunde der Universität Kiel (Lehrstuhl Prof. Dr. Peter Weiß)

2006 Promotion im Fach Alte Geschichte

Seit 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Konstanz

2014 - 2015 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg des EXC 16

2017 Abschluss der Habilitation

2017 - 2018 Gastprofessor an der HU Berlin

2018 Gastprofessor an der Universität Tübingen

Seit 2018 Principal Investigator im DFG-Forschernetzwerk „Interne Kriege im Altertum“