Forschung der Professur für Neuere und Neueste Geschichte

Mediterrane Verflechtungen: Frankreich und Algerien zwischen Kolonialisierung und Dekolonialisierung

Die monographische Studie untersucht mediterrane Verflechtungen Frankreichs zwischen der Kolonisierung und Dekolonisierung Algeriens. Im Zentrum steht der französische Süden, der Midi, der im 19. Jahrhundert als statisch galt, obwohl er die Kolonisierung Algeriens maßgeblich vorantrieb und durch diesen Vorgang selbst grundlegend verändert wurde. Infolge kolonialer Interaktionen mit Algerien wurden Frankreichs mediterrane Hafenstädte, Regionen und Inseln zu dynamischen Schnittstellen des Kolonialreichs. Sie rückten vom Rand der Nation ins Zentrum des Imperiums, um nach der Dekolonisation erneut marginalisiert zu werden. Am Beispiel der Hafenstadt Marseille, des ländlichen Languedoc und der Insel Korsika zeigt die Arbeit so, dass die modernen Prozesse der Nations-, Regions- und Imperiumsbildung in Südeuropa und Nordafrika derart eng miteinander zusammenhingen, dass sie nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.

DFG-Netzwerk "Modernes Mittelmeer: Dynamiken einer Weltregion 1800-2000" (2018-2021) 

Konflikte, Kriege und Krisen haben den Mittelmeerraum ins Zentrum der Aufmerksamkeit von Politik und Wissenschaft, Kunst und Medien gerückt. Obwohl viele dieser aktuellen Probleme im 19. und 20. Jahrhundert wurzeln, spielt das Mittelmeerparadigma in der Neuesten Geschichte nahezu keine Rolle. Die neuhistorische Mittelmeerforschung ist vielmehr in lokale, nationale und regionale Studien fragmentiert, die nur Teile der Region abdecken und sich wenig austauschen. Das Netzwerk verknüpft diese Forschungszweige , um eine integrierte Sichtweise auf den modernen Mittelmeerraum zu gewinnen. Im Fokus stehen die Dynamiken und Transformationen der Region zwischen 1800 und 2000. Anstatt den Mittelmeerraum als naturgegeben vorauszusetzen, wird untersucht, wie sich die Region in der Moderne neu konstituierte. Wider mediterranistische Mythen mediterraner Einheit, Kontinuität und Einzigartigkeit wird der Mittelmeerraum als eine Kontaktzone Afrikas, Asiens und Europas gefasst, die mit anderen Weltregionen verflochten war und mit diesen vergleichbar ist. Um die zentralen Aspekte der mediterranen Geschichte der Späten Neuzeit zu diskutieren, werden sich die Mitglieder und Gäste des Netzwerks an maßgeblichen Einrichtungen der deutschen und internationalen Mittelmeerforschung (Deutsches Historisches Institut RomDeutsch-Italienisches Studienzentrum Venedig, École française de Rome, Orient Institut BeirutOrient Institut Istanbul, Zentrum für Mittelmeerstudien Bochum, Zentrum Moderner Orient Berlin) treffen. Die Ergebnisse der Diskussionen sollen in eine Reihe von Panels und Publikationen münden, um Mediterrane Geschichte so nicht nur als ein innovatives Forschungsfeld der Neuesten Geschichte zu erweisen, sondern auch als einen eigenständigen Ansatz zu profilieren, der europäische und nichteuropäische Perspektiven auf fruchtbare Weise verbindet und dadurch zu einem vertieften Verständnis der gegenwärtigen Probleme der Region beitragen kann.

Mitglieder

Prof. Dr. Patrick Bernhard, University of Oslo
Prof. Dr. Manuel Borutta, Universität Konstanz
Jasmin Daam, Universität Kassel
Dr. Fernando Esposito, Eberhard Karls Universität, Tübingen
Dr. Malte Fuhrmann,  Zentrum Moderner Orient Berlin
Dr. Andreas Guidi, Humboldt-Universität, Berlin und EHESS, Paris
PD Dr. Nora Lafi, Zentrum Moderner Orient, Berlin
Jun.-Prof. Dr. Fabian Lemmes, Ruhr-Universität Bochum
Dr. Esther Möller, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz
Stefan Preiß, Ruhr Universität Bochum
Dr. Daniel Tödt, Humboldt Universität zu Berlin